• Sandro

Vom Caumasee nach Arosa

Aktualisiert: Juni 27


Die wundervollen Blau- und Grüntöne des Caumasees


Ein Anziehungspunkt des Kantons Graubünden

Graubünden ist in der Welt vor allem wegen St. Moritz und seinem Jet Set bekannt. Dabei hat der Schweizer Kanton, welcher an Österreich und Italien grenzt, weit mehr als nur den Schnee-Ort der Reichen (Schönen und Möchtegerns) zu bieten. Dieser ist aus meiner Sicht auch nicht wirklich ein Representant für das Alpenland Schweiz. St. Moritz ist grösstenteils mit Wohnblöcken verschandelt und hat nicht wirklich einen Ortskern. Alles spielt sich in den paar teuren Hotels ab. Wer sich da also keine Übernachtung leisten kann, wird nicht sehr viel erleben. Aber das ist eine andere Geschichte.


Highlights des Graubündens sind der Schweizerische Nationalpark im Engadin, etliche Wanderrouten, die kleine Alpenstadt Chur, wundervolle Berge und Seen sowie Pässe für Auto- und Motorradliebhaber. Wer einmal irgendwas mit Graubünden oder Bergseen auf Google oder Instagram eintippt, wird schnell auf den Cauma- und Crestasee stossen. Wen wundervolle Farben eines klaren Berggewässers faszinieren, darf diese beiden Naturspektakel auf einer Graubündentour nicht auslassen.


Damit sich ein Ausflug (vom Bodensee aus oder natürlich von weiter weg) dahin auch lohnt, sollte daraus ein Weekendtrip gemacht werden.

Caumasee

In einer unbewohnten Ecke von Flims liegt der Caumasee auf knapp 1000 m.ü.M. Oberhalb davon gibt es genügend Parkplätze. In den warmen Monaten ist zudem eine Standseilbahn in Betrieb, der es auch Personen mit Einschränkungen wesentlich erleichtert, nach unten zu gelangen. Im Winter ist nur der Spatzierweg geöffnet. Der griechisch-latainische Namen cauma lässt sich am ehesten mit "See der Mittagsruhe" übersetzen. Mehr Wissenswertes dazu gibt es meines Erachtens nicht. Ist aber auch nicht nötig, denn es geht um das Erlebnis vor Ort. Beim Rundgang läuft man durch kleine Tannenwälder und hat von der einen Seite aus einen wundervollen Blick auf die Berge. Jenachdem wo man steht und wie die Sonne das Wasser bestrahlt, schimmert es in diversen Blau- und Grüntönen und glitzert dazu noch als Höhepunkt.


Wer Zeit und Lust hat, kann auch direkt beim Caumasee mit einer Wanderung zum Crestasee starten. Diese dauert rund 1 Stunde. In diesem Fall führen auch wirklich viele Wege nach Rom. Eine Variante beginnt direkt beim Caumasee-Lift und ist auch beschildert. Ein weiterer Weg führt um den See und dann Richtung Vorderrhein. An einer Stelle, direkt am Abgrund gebaut, befindet sich die Aussichtsplattform "Il spir", romanisch für der Mauersegler. Von ihr aus sieht man nicht nur in die Schlucht hinunter, sondern auch zu und über die umliegenden Hügel.


Zusatzinfos: Der Caumasee ist vorletzten und letzten Winter in den Sozialen Medien, hauptsächlich auf Instagram, zu noch grösserer Bekanntheit gekommen. Dronen-Piloten zeigten den See aus einer neuen durchaus fotogenen Perspektive und machten Lust auf einen Besuch. Dennoch schwören einige auf den in der Nachbarschaft liegenden Bergsee – den Crestasee. Ja, auch dieser kann mit wunderschönen Farben aufwerten. Er ist aber mit dem Auto nicht direkt erreichbar. Da ich ihn nicht besucht habe, kann ich dies nicht selbst bestätigen. Doch es heisst, dass es da keine Parkmöglichkeit hat.


Wichtige Durchsage an (angehende) Drohnen-Piloten: Es ist nicht erlaubt mit der Drone darüberzufliegen und davon Fotos und Videoaufnahmen zu machen. Es gibt dazu sogar online ein Dokument. Möglicherweise war es vor ein paar Jahren noch geduldet worden. Doch durch den "Insta-Fame" konnte man nur noch ein Summen in der Luft hören und das ist irgendwann für Badegäste und Spaziergänger lästig. Wenn Du (einmal) eine Fluglizenz hast, sieht es eventuell wieder anders aus und Du erhälst für einen Flug ein Zeitfenster. Das müsstest Du aber bei der Gemeinde abklären. Als ich da im Winter war, hatte es nicht viele Personen und das obwohl es ein Samstag war. Ob das ein Zufall war, kann ich nicht sagen. Aber in diesem Fall hätte kaum jemand ein Flug gestört. Damit will ich aber nicht zu einem unbefugten Start der Drohne aufrufen.


=> Diese Reise habe ich vor Corona gemacht. Dementsprechend können Bilder mit Personen einem "befremdlich" vorkommen.

Auf dem letzten Bild sieht man die Standseilbahn

Flims

Flims ist kein "Place to be", dennoch hat es in seiner Grössennorm mehr Bergdorfcharakter als Davos, Arosa oder St. Moritz. Man findet hier das typische Berghaus aus Holz wie auch das Grand Hotel – z.B. das Waldhaus Flims Wellness Resort. Wenn man einen See in der Nähe will, muss man also nicht extra deswegen nach St. Moritz. Zudem gibt es ein modernes und relativ neues Skilift-System. Suchst Du hingegen ein Treiben auf den Strassen, dann bis Du da fehl am Platz. Denn mehr als eine Bahn für auf die Pisten hinauf, ein paar Lokale und Shops gibt es da nicht. Flims ist und bleibt ein verschlafenes Nest. Wer aber die Abgeschiedenheit sucht, kann da gut aufgehoben sein.

Arosa

Ein Grund, warum ich noch nie in Arosa oder Davos Ski-Urlaub gemacht habe, war das Wissen, dass in diesen Orten kein Bergdorf-Feeling aufkkommt. Dies hat sich leider bestätigt. Das Zentrum, die Poststrasse, ist eine am Hang liegende Strasse aus traurig wirkenden Hausfassaden. Dies hätte in jeder anderen trostlosen Stadt sein können. Das Ausgehangebot hält sich zudem auch sehr in Grenzen. Wer hier am Abend schlendern gehen möchte, wird stark enttäuscht sein. Arosa ist ein Ort, wo man am Tag in den Bergen ist und am Abend nur das Hotel verlässt, um ein Restaurant aufzusuchen.


Arosa könnte mit seinen zahlreichen Seeen noch mehr punkten. Mitten im Ort befinden sich gleich zwei – der Ober- und Untersee. Der Obersee ist perfekt für ältere Personen, welche nicht zu grosse Strecken zurücklegen können und doch vom Hotel aus starten möchten. Leider wurde auch dieses Potenzial vergeudet. Wenn ich ein treffendes Adjektiv dafür suchen müsste, wäre dies "brav". Da rate ich lieber das Auto zu nehmen und zum Parkplatz Stausee zu fahren. Der Stausee Iselsee ist nur 6 Fahr- oder 22 Gehminuten vom Zentrum entfernt und das komplette Gegenteil von brav und bieder.


Selbstverständlich habe ich für den Abend ein passendes Restaurant und eine Lokalität für einen guten "Absacker" gesucht und tatsächlich auch gefunden:


  • Restaurant Lamm & Leu: Dieses Restaurant befindet sich an der Poststrasse. Leider ist es auch nicht in einem für die Berge typischen Haus. Zumindest ist es aber in einem neuen modernen Bau, wo der Eingang schön und zeitgemäss eingerichtet ist. Die Preise starten im oberen Mittelfeld. Das Essen kann sich aber zeigen. Mein Filet hatte einen wundervollen Eigengeschmack und war perfekt Medium gebraten. Die grossen Pommes waren ebenfalls vorzüglich und das Gemüse hatte auch tatsächlich einen südländischen/italienischen Touch. Mein Reisepartner hatte einen Hummer bestellt. Dessen zartes Fleisch fusionierte perfekt mit der Sauce. Das Speiselokal kann ich jedem empfehlen.

  • Güterschuppen: Dieses Ausgehlokal ist definitiv das Highlight von Arosa. Der sich gleich neben dem Bahnhof und dem Obersee befindende Güterschuppen bietet alles, was das stylishe Ausgangsherz sich wünscht. Das Design, die Vibes, die Cocktails und Musik erzeugten ein rund um sehr zufriedenstellendes Erlebnis. Unbedingt besuchen, damit man doch noch ein zwei gute Erinnerungen an den Ort mit nach Hause nehmen kann.

Gerichte im Lam & Leu und auf dem zweiten Bild ein Schnappschuss vom Güterschuppen

Hotel Bel Arosa

Nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt, liegt das Hotel Bel Arosa 4*. Von der Begrüssung bis zum Zimmer stimmt alles. Das Garni Hotel könnte auch gut 5 Sterne haben. Im Einfahrtsbereich begrüsst ein riesengrosses aus Holz geschnitztes Eichhörnchen ankommende Gäste. Arosa wirbt nicht nur mit dem bekannten "Eichhörnlinweg", nein, der startet auch gleich um die Ecke. Begrüsst wurden wir mit einem Sekt gleich in der Lobby. Während wir am Glas nippten, übergab uns die Chefin persönlich Unterlagen, gab wichtige Infos zum Hotel und beantwortete gerne Fragen. Wer also schon immer etwas über das Hotelbusiness wissen wollte – einfacher kann man seinen Wissensdurst nicht stillen.


Unterdessen ist das Hotel fertig renoviert und wartet auch noch mit einem sehr schönen Wellness und Spa-Bereich auf. Diese Unterkunft gehört defintitiv mit seinem Alpin-Chic zu den Schönsten des Ortes. Mit der Fertigstellung der Aufwertung des Hotels, können nun auch klassische Zimmer gebucht werden. Bis anhin gab es nur Suiten. Die Preise starten im oberen Mittelsegment.


Zimmer

Unsere Suite, unterdessen mit Junior Suite betittelt, hatte 45 m2, so wie alle in dieser Kategorie. Abgesehen vom Grundriss besitzen sie jeweils eine Kochnische mit einer Speisemöglichkeit, ein Kachelofen, ein Sofa, eine grosszügige Nasszelle, ein Balkon und eine Schlafecke. Der Durchgang ins Schlaffzimmer ist offen. Deshalb ist der Begriff Junior Suite auch zutreffend. Ein hübsches Detail ist das angedeutete Fenster eines Chalets. Da dies gerade auf der Höhe des Kopfkissens ist, kann man einen Vorhang ziehen.


Im Hotel gibt es hier und da Elemente, die auf den "Eichhörnlinweg" hinweisen. Das macht auch sinn, wenn er sozusagen vor der Tür beginnt. Eine Aufmerksamkeit auf dem Zimmer war deshalb ein hübscher Stoffsack mit Nüssen für die gefrässigen kleinen Tiere.


Frühstück

Wir besuchten das Hotel mitten in der heissen Phase der Umbauarbeiten. An manchen Wochenenden führten sie vor den Renovationen auch Hüttenabende durch mit Fondue etc. Gemäss der Webseite ist dies nicht mehr der Fall. Der Frühstücksraum war noch im selben Stil gehalten, wie die Lobby und manche Gänge. Mit den bereits renovierte Zimmern im Alpin-Chic Design biss sich deshalb die alte Ausstattung. In guten Jahren erinnerte sie aber definitiv an die ersten Grand-Hotels der Berge. Mit der Generalüberholung ist nun auch der Speisesaal in der Zukunft angelangt. Das Frühstück hatte alles was man braucht und mehr. Wegen der alten Möbelierung und dessen begrenzten Möglichkeiten im Design-Bereich, war ich mit der Aufmachung nicht zufrieden. Aber bitte im Hinterkopf behalten, das war damals.


Ein witziger Gag, der Stammgäste bei jedem Besuch erwarten, ist der Eierknippser. Damit kann man die Spitze des Eis entfernen ohne es mit dem dem Löffel zerquetschen oder mit dem Messer maltraktieren zu müssen.


Interior einer Junior-Suite

Eichhörnliweg

Das Touristen-Highlight schlechthin. Auf 1.7 Killometern lassen sich die putzigen Eichhörnchen beobachten und füttern. Es braucht aber ein wenig Geduld. Auch wenn sie sich an die Menschen gewöhnt haben, sie sind weiterhin scheu. Nicht nur die kleinen Kletterer werden von den Nüssen angezogen, auch Vögel wie Spatzen oder die Tannenhäher. Letztere haben ein sehr schönes Gefieder.


Wie bereits weiter oben erwähnt, beginnt der Weg gleich in der Nähe des Hotels und führt bis nach Maran. Da kann man seinen Spatziergang verlängern und hat eine wunderbare Sicht über die Ebene auf die umliegenden Berge.



Krimi-Spass in Arosa

Der Bergort Arosa ist von einem Mord überschattet. Der Killer ist weiterhin auf freiem Fuss. Er muss schnellstens gefasst werden! Krimi-Spass für die ganze Familie.


Klicke auf "Jetzt ermitteln" und melde Dich für weitere Instruktionen an. Werde selbst zu einem berühmten Kommissar.

Bergwelt

Die Berge rund um den Ort Arosa haben steil abfallende Felswände. Dies erzeugt ein surreales Erlebnis. Es ist eine Freude, am Morgen vom Balkon aus oder durch das Fenster auf die Berge zu schauen. Diese Steinsformationen nur aus dem Fernrohr beobachten ist aber irgendwann nicht mehr genug. Also geht es hinauf. Wenn Du Skifahren gehen möchtest, dann informiere Dich zuerst – damit Du weisst wo was ist.


Wir hatten am zweiten Tag, ein Sonntag, nur die Schneeschuhe an und wollten das Panorama von oben geniessen. In aller Munde ist die Carmennahütte. Also ging es dahin zum Mittagessen. Von der Bergstation Carmenna bis zum Restaurant sind es etwa 30 Minuten Fussmarsch. Es geht im Winter alles an der Piste entlang. Also immer Augen offen halten!


Drinnen ist es urchig und gemütlich. Wenn man glück hat, kann man in einem kleinen rustikalen Raum speisen. Das grosse Schweinskotelett war vorzüglich. Draussen ist das Restaurant leider stehengeblieben. Es gibt nur Festbänke. Zuforderst befinden sich mehrere Reihen mit Liegen. Diese kann man für CHF 20.-/Tag mieten. Finde ich übertrieben für ein Lokal, das nicht in die Kategorie "klein & fein" gehört. Da wir erst am Nachmittag anfragten, erhielten wir zwei Liegen für unter CHF 10.- für 2 Stunden. Wer auf mehr Action steht, besucht die Munggaloch-Bar. Dies ist ein runder Holzbau mit einer Bar darin. Bei gutem Wetter wird draussen gefeiert. Auch am Abend geht da anscheinend die Post ab. Die Aussicht von der Carmennahütte aus ist sehr schön.


Diese Adressen habe ich nicht besucht, würde ich aber bei einem nächsten Besuch "auskundschaften". Das Design der Restaurants und dessen Webseiten sind sehr einladend:

  • AlpArosa: Gleich neben dem Hintere Hütte Speichersee liegt dieses Designjuwel. Trotz moderner Einrichtung ist es holzig-gemütlich und hat hier und da noch typisch graubündnerische Elemente eingearbeitet. Das AlpArosa ist weniger weit oben als etwa die Carmennahütte bieter aber ebenfalls ein schönes Bergpanorama

  • Alpenblick: Der Alpenblick liegt etwa auf der selben Höhe wie das AlpArosa. Es hat am 3. Dezember neu eröffnet. Wegen Corona hatten die aber nicht viel davon ... Die Hütte ist schlicht und dennoch gemütlich.

  • Hörnlihütte Arosa: 1923 vom Skiclub Arosa erbaut, ist die Hörnlihütte Arosa heute auf dem höchsten Punkt des Hörnligrates ein Anziehungspunkt. Ein "Highlight" ist die Sicht vom "Thron" durch die vollverglaste Scheibe.


Die Bilder entstanden in Maran (am Ende des Eichhörnliwegs) oder oben in der Umgebung der Carmennahütte


Liegebänke und mein Essen in der Carmennahütte

Hast du den Caumasee schon vor diesem Eintrag gekannt? Dein Interesse geweckt? Falls ja, würde ich mich über ein Feedback und auch weitere Anregungen freuen.


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