• Sandro

Chäserrugg und Iltios - Versteckte Perlen in den ostschweizer Bergen

Aktualisiert: Juli 5


Sicht Richtung Säntis (l.) und Wildhuser Schafberg (2. v. l.)

Meer vs Berge

Der ewige Kampf zwischen Wasser und Gestein wird nie seine verdiente Ruhe finden. Jede Seite hat eine grosse Anzahl an Unterstützer. Und dann gibt es noch die Unentschlossenen, so wie mich. Ich liebe das Meer so sehr wie die Berge. Darum möchte ich mich auch gar nicht festlegen. Sie beide haben etwas Magisches und Anziehendes. Wenn es Sommer ist, gehe ich zwar auch gerne in die Berge, trotzdem gehört die grosse Bühne dann dem Meer. So ist es im Winter gleich umgekehrt, da ziehe ich die Berge dem Meer vor. Wie ist es bei Dir?

Hätte ich das Meer vor der Tür, würde die Sache sehr wahrscheinlich wieder ein wenig anders aussehen. Vom Bodensee aus, ist man aber definitiv schneller in den Bergen als am Mittelmeer. Somit geht es bei Gelegenheit auf die Dächer der Alpen.

Toggenburg

Der schnellste Weg dahin, wo man ein tolles Panorama über viele Bergspitzen hat, führt zum Säntis im Appenzellerland oder ins Toggenburg im Kanton St. Gallen. Vom Säntis ist bekannt, dass die Aussicht atemberaubend ist. Vom Chäserrugg hört man mehr, wenn es ums Skifahren geht. Trotzdem wollte ich es endlich auch mit eigenen Augen sehen.

Churfirsten

Unterwasser - Iltios

Zwar ist das Skigebiet eher in der Region bekannt, trotzdem war in ganz Unterwasser kein freier offizieller Parkplatz oder sonstiger Platz, den niemand störte, mehr frei. Überall standen Verkehrskadetten und versuchten dem Chaos Herr zu werden. Nach ein paar Runden wurde einer frei. Es lohnt sich früh oder nach dem Mittag anzureisen.

Von da aus fährt man mit einer Standseilbahn auf den Iltios. Einmal oben angelangt sticht gleich eine markante Bergkette ins Auge - die Churfirsten. Je nachdem wie man zählt, sind es sechs bis dreizehn Berge im Kanton St. Gallen. Der Iltios ist die Mittelstation auf dem Weg zum Chäserrugg. Hier oben gibt es einen Skiübungsplatz für die Kleinen und das Restaurant Iltios. Während man einen Kaffee oder Tee trinkt, hat man eine atemberaubende Sicht auf die Churfirsten.

Tipp: Im Januar ist die letzte Talabfahrt vom Chäserrugg gerade kurz vor dem Sonnenuntergang. Also lieber eine Gondel früher nehmen. Somit hat man noch genügend Zeit, um vom Iltios aus, den Säntis im Lichte des Sonnenunterganges zu bestaunen.

Säntis während dem Sonnenuntergang

Chäserrugg

Leider gehört dieser Aussichtspunkt auf 2262 m. ü. M., in den schweizer Bergen, nicht zu den bekannteren. Dabei hätte er es verdient. Bei guter Sicht sieht man nicht nur viele Schweizer Berge, sondern erhascht auch einen Blick auf 6 Länder!!! Zudem sind die Bergkonturen so schön von der Natur geschaffen worden, dass sie vor der Linse einfach gut aussehen. Der Naturfan bleibt mit offenem Munde stehen, der Fotograf knippst den Akku leer und der Träumer schwebt schon mit den Vögeln über den Bergspitzen.

Panorama

Auf der einen Seite sieht man ins Tal und erlebt ein spezielles Schauspiel aus Schnee da oben und grüner Wiese da unten (zumindest, wenn es nicht bis ins Tal geschneit hat). Schaut man nach Osten kann man eine Gesteinsformation nicht übersehen. Sie sieht wie ein Pilz oder ein Vulkan aus. Darauf sind die Gamserrugg-Hütte und ein Skilift zu sehen. Wenn der Schatten einmal eine gewisse Höhe erreicht hat, ist nur noch der "Deckel" des Berges von der Sonne erleuchtet. Dies gibt einen tollen Effekt.

Gamserregg-Hütte auf der Kuppel

Schaut man ein wenig südlicher der Kuppel in die Ferne, findet man unteranderem den Gamsberg. Diese Ecke des Panoramas ist ebenfalls für Knipps-Enthusiasten ein toller Fang. Wer sich noch nicht satt gesehen hat, und ich hoffe, das hat noch niemand, sollte noch die Bergkette links neben der "Pilzformation" ins Auge fassen. Gleich neben/hinter dem Wildhuser Schafberg hat es eine Kette kleiner auffälliger Bergspitzten. Die einen erinnern in Miniaturformat an die "tre cime" in den Dolomiten.

Hundstein

Gaumenfreuden

Ja, auch gucken kann hungrig machen. Jetzt da die Augen sich vollpumpen konnten mit neuen spektakulären Eindrücken, ist der Magen an der Reihe. Und der kommt auf dem Chäserrugg nicht zu kurz. Im neu errichteten Gipfelgebäude treffen Innovation und Tradition, Funktionalität und Ästhetik aufeinander und gehen eine moderne Symbiose ein. Die Architekten wollten bewusst kein Restaurant im heute trendigen Alpen-Chic entwerfen. Als "Objekt" der künstlerischen Architektur ist es 1A, aber aus der Sicht des Besuchers finde ich es zu kühl. Dekos, farbige Tupfer, abwechselnde Materialien sucht man vergebens. Holz und Glas dominieren. Dazu gesellen sich etliche hängende Lampen im industrial look über schlichten Holztischen. Nur die Sitznischen auf einer Seite können das ganze ein wenig aufwerten. Der Raum im zweiten Stockwerk, welcher einen langen Tisch für Events und Anlässe beherbergt, und auch schön gedeckt wird, strahlt den meisten Charm aus.

Dafür kann das Essen punkten. Die Karte enthält Klassiker der Gegend für den kleinen und grösseren Hunger. Alles wird modern und hochwertig gekocht und schön angerichtet. Menschen mit Unverträglichkeiten wie Gluten und Laktose müssen sich nicht gross einschränken, denn die meisten Gerichte kann der Koch so zubereiten, dass sie nichts dergleichen enthalten. Dann sage ich nur noch: "En guete!"

Tipp: Es hat auch einen glutenfreien Kuchen auf der Karte.

Sicht aus dem Bergrestaurant

Höhenwanderweg

Dieser Weg ist perfekt, um das Essen zu verdauen. Es braucht zwar keine Bergsteigerausrüstung, aber gutes Schuhwerk ist zu empfehlen. An zwei Stellen, geht es ein paar Meter recht steil nach unten, wo einige Leute zu kämpfen hatten. Daher ist es leider nichts für ältere Leute. Ohne Fotostops schafft man den Rundweg etwa in 30-40 Minuten. Da aber die Aussicht so schön ist, kann es sich locker verdoppeln. Ich selber musste alle paar Meter einen Halt einlegen und die Natur mit meiner Kamera einfangen.

Churfirsten von einer anderen Seite aus

Bekanntheit

Am Anfang des Posts habe darübergeschrieben, dass der Ort weniger überregional bekannt ist. Ein Grund könnte daran liegen, dass die Kapazität betreffend Parkplätze, Beförderungsmittel und Verpflegungsorten an guten Tagen jetzt schon am Limit ist. Die ganze Strategie und Werbung wurde immer auf die Tages- und Wochenendtouristen ausgelegt. In der jetzigen Grössennorm haben sie keine Geldprobleme, wie es viele andere kleinere und auch grössere Skigebiete haben - dank dem Panorama. Würden sie jetzt in aller Welt Werbung machen, müssten man in wirklich alles investieren - Hotels, Restaurants, Bars, Unterhaltungsprogramm, Parkplätze und modernere Bahnen. Ich wüsste nicht ob es dann aber auf das ganze Jahr gesehen wirklich konkurrieren könnte mit Orten, die schon etabliert sind und teilweise Weltruf geniessen. Aber an der Bergwelt würde es sicher nicht scheitern. Die Ostschweiz könnte mit einem eigenen "richtigen" Skigebiet auffahren. Das wäre sicher ein Grund, dass ich noch mehr dorthin gehe. Was jetzt schon klar ist, dass ich einmal die Pisten austesten werde.

Informationen

  • Personen mit einem GA oder Halbtax der Schweizerischen Bundesbahnen - SBB, nutzen die Bergbahnen zum halben Preis. Achtung: Nicht für Skibillets

  • Tarife für Einzelfahrten

  • An Wochenenden möglichst früh in Unterwasser parkieren. Unter der Woche kann es nach 12:00 Uhr wegen dem Vormittags-Skiticket wieder Plätze geben.

  • Kamera nicht vergessen!

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