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Tokyo - Im Land der Samurai | Teil II/IV

Aktualisiert: Juli 5


Elektronikviertel Akihabara

Tokyo

Hier im 2. Teil unserer Japanreise erkunden wir den Rest der Landeshauptstadt, bevor es mit dem Shinkansen weiter nach Hakone geht.

Du kannst diesen Eintrag auch problemlos vor dem ersten Part über Tokyo lesen. Für die Verständlichkeit gibt es dadurch keine Nachteile. Im vorherigen Teil gibt es nebst den Erlebnissen in den diversen Stadtteilen auch eine Einleitung über Japan und Tokyo, sowie ein paar organisatorische Informationen. Möchtest Du ganz am Anfang mit Lesen starten, dann klick auf "Tokyo - Im Land der Samurai | Teil I/IV".

Ginza

Das letzte Stadtviertel, das wir besucht haben, war der Geschäftsdistrict Marunouchi. Er grenzt unten rechts an Ginza. Ginza gehört zum Stadtbezirks Chūō und ist ein bekanntes Geschäfts- und Vergnügungsviertel. Die Aufmachung ist dezenter, auch wenn es hier ebenfalls einige Leuchtreklamen hat. Die bekannteste Strasse ist die Chūō-dōri (Zentralstrasse), auch genannt Ginza-dōri. Die grösste Konkurrentin, im Kampf um die beste und berühmteste "Edel-Shoppingstrasse" der Stadt, ist die Omotesandō in Shibuya.

Ginza

Getränkeautomat in Ginza

Chūō-dōri

Sie verläuft etwa in der Mitte des Viertels von Norden nach Süden. Bekannte nationale und internationale (Luxus-) Marken und Shoppingzentren haben da, und in dessen namenlosen Seitenstrassen, Filialen. Im unteren Teil der Strasse findet man z.B. den Sanyo Ginza Tower mit Marken wie Paul Stuart oder Mackintosh London, den Zara Ginza Store, Abercrombie & Fitch und das Tokyo Ginza Shiseido Building. Das letztgenannte Gebäude beherbergt nicht einfach einen oder mehrere Läden, sondern eine eigene Welt. Wie Du vielleicht weisst, ist Shiseido eine bekannte japanische Kosmetikmarke im Luxusbereich. Hier in Ginza begann die Geschichte dieses Konzerns. Im Tower findet man vom edlen Süssspeiseladen über ein Kaffee und edles italienisch-japanisches Restaurant bis zur stylischen Bar alles. Im mittleren Abschnitt, rund um die Kreuzung Harumi-dōri und Chūō-dōri, sind unter anderem der auffällige Auto Showroom Nissan Crossing, das edle in älterem westlichen Stil erbaute Einkaufszentrum Wako, der Einkaufstempel Mitsukoshi, der Apple Store und das gern fotografierte zylinderförmige San’ai-Gebäude mit seinen zahlreichen Leuchtreklamen (vor allem bei Nacht gut sichtbar) zuhause. Im oberen Teil der Strasse findet man weitere Shoppingkomplexe wie das Kira Rito oder Melsa. Wer hübsche kleine Törtchen und sonstige Nachspeisen liebt, ist im CozyCorner gut aufgehoben. Zwischen all den riesigen Einkaufszentren, und in den Nebenstrassen, findet man auch Schreibwaren- und Juweliergeschäfte, Restaurants und kleine Shops.

Chūō-dōri in Ginza

Ginza

Traditionelles Mittagessen

Das Auf- und Ablaufen der riesigen Strasse, mit all seinen grossartigen Geschäften, macht hungrig. Daher war es an der Zeit ein Lokal für den Mittag zu finden. Auf der Chūō-dōri selbst, schien es mir, dass die meisten Restaurants in den Einkaufskomplexen waren. Wenn man Hunger hat und nicht weiss wo suchen, kann es zu einer ernüchternden Erfahrung werden. In den Seitenstrassen ist es möglicherweise einfacher. Wir wollten schon fast die Ginza-dōri verlassen, als uns neben dem Pola Museum Annex eine Vitrine mit Speisen aus Plastik einladend erschien. Das Restaurant selbst befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes, wo sich ebenfalls die Mizuho Financial Group befindet. Das Treppenhaus hat seine guten Jahre schon länger hinter sich. Auf dem Weg hinunter dachte ich zuerst, wo ich da gelandet bin. Aber schnell war dieser Gedanke verflogen. Das Lokal erwartet einem in einer traditionellen Aufmachung. Von A-Z fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. Am Eingang muss man die Schuhe ausziehen und in einem abschliessbaren Fach verstauen. Dann wird man von einer Angestellten im Kimono zu seinem Platz geführt. Dieser befindet sich in einem der zahlreichen kleinen Kammern. Dort sitzt man auf Polstern während die Füsse in einer Öffnung im Boden sind. Der Raum ist minimalistisch mit Dekos ausgestattet und verströmt das Gefühl als sei man im Speisesaal eines Adligen aus dem feudalen Japan. Es gibt wie vielerorts kostenlosen warmen oder kalten Grüntee. Auf der Speisekarte findet man auch Mitagsmenüs zu einem guten Preis. Ich hatte Glück und wurde von einer netten Dame bedient, die sehr gut Englisch und daher leicht auf meine Intoleranzen eingehen konnte. Anstelle der Miso Suppe machte der Koch eine Pfeffersuppe. Auch wenn das Lokal fast hauptsächlich mit Einheimischen gefüllt war, meinte die Kellnerin, dass sie ab und zu ausländische Gäste (mit Intoleranzen) hätten. Personen mit Glutenproblemen sollten trotzdem auch hier eine glutenfreie Sojasauce dabeihaben, damit sie das Sashimi, Sushi oder den blanken Reis damit würzen können.

Eingang im Untergeschoss

Mittagsmenü

Eines der Räume im Restaurant

Mittagessen findet man definitiv billiger, die ebenfalls sehr lecker sind. Das haben wir selbst immer wieder gesehen. Für die Atmosphäre, das Anrichten der Teller und den Geschmack der Speisen ist aber der Preis angemessen. Viele solcher Lokale die ein "Esserlebnis" bieten, sind normalerweise teuer bis sehr teuer. Ich kann es daher wärmstens weiterempfehlen und würde selbst bei einem weiteren Ginza-Besuch dort wieder essen gehen.

Nihombashi, Kyōbashi und Yaesu

Nihombashi und Kyōbashi waren einst eigenständige Bezirke. Früher war Nihombashi die Stadt der Handwerker und Händler. Heute ist es das Finanzzentrum von Tokyo. Wie Marunouchi ist es ein modernes sehr westlich angehauchtes Viertel. Hier und da sind noch Geschäfte aus der Edozeit zu finden. Sehenswert sind hier das elegante Warenhaus Takashimaya Nihomashi, welches in den 50er sogar ein Elefantenbaby beherbergte, das schöne im westlichen Stil erbaute Gebäude der Bank of Japan und die Nihombashi/"Japan-Brücke". Die Brücke wurde über den damaligen Burggraben gebaut und verband die Oststadt mit der Burg. Doch schon seit den 60er Jahren wird sie von der Stadtautobahn Tokyo fast gänzlich zugedeckt. Es ist schön, dass es diese schöne Brücke noch gibt, aber traurig, dass zu Gunsten der unaufhaltsamen Vergrösserung der Stadt dazumal keine Alternative im Raum stand. Das Bild, das man dort erhält könnte aus einem Film entsprungen sein. Ich sehe es vor mir: Unten befindet sich die "Alte Stadt" und obendrauf die neue ultramoderne Stadt mit etlichen Schnellstrassen und riesigen Türmen auf weiteren Türmen.

Interessiert Dich die Geschichte des Sakes oder Du trinkts gerne hin und wieder ein Schälchen Reiswein, dann besuche Amazake in Nihombashi. Der Name der Strasse kommt vom süsslichen, nur leicht alkoholhaltigen Reiswein, der am Anfang dieser Strasse verkauft wurde. Dort sind heute z.B. traditionelle Snacks zu finden.

Bist Du eine Frau und in Erwartung, dann solltest Du vielleicht dem Suitengu-Schrein einen Besuch abstatten. Er ist der Schrein für Schwangere und man kann dort für eine Geburt ohne Komplikationen bitten.

Kyōbashi ist zwischen Ginza und Nihombashi. Es ist ebenfalls ein Geschäftsviertel mit Hotels und hier und da einem Einkaufszentrum. Yaesu trennt die beiden Stadtteile vom Bahnhof Tokyo.

Strasse in Kyōbashi

Hotel Intergate Tokyo Kyobashi

In etwa 10 Minuten erreicht man das Hotel vom Bahnhof Tokyo aus. In der Nähe befindet sich die Kyobashi Station der Ginza Line. Der hohe relativ schlanke Turm befindet sich an einer Kreuzung und beherbergt im Erdgeschoss einen FamilyMart. Dadurch nimmt die Ladenfläche den meisten Raum ein und der schlichte Hoteleingang geht gänzlich unter. Einerseits passt er zum dezenten Design der Innenräume, anderseits schliesst minimalistisches Design einen präsentablen Eingang nicht aus. Aber hier lag der Grund einfach daran, dass es durch den Laden keine andere Möglichkeit gab. Die Rezeption liegt im 1. Obergeschoss. Gleich nebenan, im selben Raum, wird an einer langen Bar das Frühstücksbuffet aufgebaut. Da wir nach der Rückkehr aus Kyoto noch ein Zimmer für die Nacht von Freitag auf Samstag brauchten und gerne ein anderes Hotel austesten wollten, kamen wir auf dieses. Das Viertel war ein schöner Kontrast zum ruhigen Viertel Ueno (wird im Teil I behandelt). Wir mussten früh den Zug Richtung Flughafen Narita nehmen. Deshalb konnten wir nicht mehr das Frühstück "austesten". Für Frühaufsteher macht ein Mitarbeiter frischen Kaffee mit Bohnen, welche in der Gegend sehr beliebt sind oder auch einen frisch gemachten Fruchtsaft. Bezahlen muss man bei der Ankunft, aber nicht direkt an der Rezeption. Da erhält man lediglich die Quittung, mit welcher man an Automaten die Zimmerrechnung begleichen kann. So liegt kein Geld herum und das System übernimmt ohne menschliche Fehlerquote die Abrechnung. Sonst fällt mir kein guter Grund dafür ein. Das Zimmer hatten wir weit oben und daher eine sehr gute Aussicht über die Hochhäuser (nur das feine Gitternetz im Fenster trübte die Sicht). Das Zimmer selbst war auch nicht gross, die 1-2 m2 mehr, im Vergleich zum Hotel in Ueno, machten aber dennoch einen feinen Unterschied aus. Ich persönlich würde dieses Hotel wieder in die engere Wahl nehmen. Man ist in der Stadt sehr zentral und doch ruhig gelegen.

Frühstücksbereich im Hotel Intergate Tokyo Kyobashi

Gang im Hotel Intergate Tokyo Kyobashi

Kyobashi Edogrand

Nicht weit vom Hotel entfernt, befindet sich der Shopping- und Foodkomplex Kyobashi Edogrand. Er ist ein Mix aus modernem Wolkenkratzer, öffentlichen und stylischen Relaxzonen und einem Hauch altem New York. Wenn man einmal am Abend nicht mehr in die Metro steigen möchte, hat man hier eine grosse Auswahl an Verpflegungsmöglichkeiten in schönem Ambiente. Dies ist das kleine lebendige Zentrum von Kyobashi. Wir haben hier in einem japanischen Lokal im Erdgeschoss das letzte Abendessen unserer Reise genossen. Von kleinen Vorspeisen über Grillspiesse bis zu Shabu Shabu kann man sich durchessen.

Kyobashi Edogrand

Shabu Shabu und Spiesse

Reiseintopf mit Ei und Hänchen

Tsukiji-Fischmarkt (bis Oktober 2018) - Neu Toyosu-Fischmarkt

Nach längerer Verzögerung ist der Markt umgezogen. Das Datum verschob sich etliche Male, da unter dem neuen Gebäude, auf der nahegelegenen künstlichen Insel Toyosu, krebserregende Chemikalien gefunden wurden und entsorgt werden mussten. Nun ist der berühmte Tsukiji-Fischmarkt Geschichte.

Wenn man das erste Mal in Japan ist, lohnt sich das sehr frühe Aufstehen. Zu vorgerückter Stunde herrscht nicht mehr die gleiche Stimmung am Markt. Wer auch bei der Thunfischauktion für Händler dabei sein möchte, muss wirklich sehr früh da sein. Beim alten Fischmarkt, wo ich noch war, musste man um 05:00 Uhr sich vor Ort anmelden. Da das mit den U-Bahn Zeiten nicht wirklich vereinbar ist, braucht man fast ein Taxi. Ich selbst kann nichts über die Auktion sagen, da ich bei keiner dabei war. Wenn Dich Fischerei und das Rundherum interessiert, dann kann Dich die Auktion sicher begeistern. Möchtest Du einfach den grössten Fischmarkt der Welt sehen, mit seinen vielen Ständen, voll mit den verschiedensten Meerestieren wie Muscheln, Krabben und Fischen, dann reicht ein Besuch des öffentlichen Bereichs. Viele der Tiere leben noch, damit die Frische gewährleistet werden kann. Es gibt auch einige Stände, die ganze Thunfische hinter verschlossenen Vitrinen zur Schau stellen. Es ist vor allem eindrücklich, wenn der Fisch zugeschnitten wird. Warum wird der Kasten verschlossen? Diese grossen Exemplare haben einen enormen Wert. Der Fischer möchte nicht, dass im Getümmel einer seiner Thunfische abhandenkommt. Ich war dazumal um ca. 07:00 Uhr da und das war früh genug um noch die "unverbrauchte" Luft des Tages zu fühlen. Wer gerne, zumindest einmal in Japan, rohen Fisch am frühen Morgen essen will, kann hier das wohl frischeste Sushi und Sashimi der Welt geniessen. Viel Spass und guten Appetit.

Thunfisch am Tsukiji-Fischmarkt

Roppongi & Akasaka

Im Südwesten des Kaiserpalastes liegen diese beiden Stadtviertel. Sie gehören dem Bezirk Minato an, in welchem z.B. auch die berühmte Rainbow-Bridge steht. Lange Zeit galt Roppongi als reines Vergnügungsviertel, Heimat einiger Botschaften und Wohnort von Expats. Als Anfang der 2000er der Roppongi-Hills-Komplex, mit seinen Luxusgeschäften und edlen Bars und Restaurants, den ersten Stein in eine neue Zukunft legte, wurde die Richtung ersichtlich, die die Politiker für das Viertel vorgesehen haben. Von Mitte bis Ende der 80er Jahre war Roppongi das Club & Disco Viertel der Stadt. Die grössten Grossraumdiscos standen da. Mit der Schliessung des Vanilla im Jahr 2007 ging eine Ära zu Ende. Für die Politiker sind das positive Ereignisse. Seit 2006 hat kein Lokal mehr eine Tanzlizenz für nach 02:00 Uhr erhalten. Dies wird aber mit "Members-Only"-Türschilder und pro forma Stühlen auf der Tanzfläche gut umgangen. Nach Shinjuku und Shibuya hat Roppongi weiterhin die drittgrösste Ansammlung an Ausgangsmöglichkeiten. Somit überlebte die Szene der vielen kleinen Bars und Clubs auch den Aufstieg und Niedergang der grossen Partylokale und prägt weiterhin den Charakter von Roppongi.

Akasaka wurde früher im negativen Sinne nur als Nobelherberge-Viertel gehandelt. Aber auch heute sind weiterhin einige teure Hotels ein Teil des Stadtbildes. Wenn Du es krachen lassen möchtest, dann besuch The Prince Gallery Tokyo Kioicho (a Luxury Collection Hotel), das Hotel New Otani Executive House Zen oder das Hotel Monterey Akasaka mit Sicht auf den privaten Park der Kaiserlichen Familie. In diesen Unterkünften ist Platzmangel ein Fremdwort. Da ist das Bad schon mindestens so gross wie sonst ein Hotelzimmer der Mittelklasse. Dass man hier nicht über den Preis spricht, versteht sich von selbst.

Roppongi Hills

Der Komplex ist eine Stadt in der Stadt und ein Aushängeschild des modernen Tokyo. Mit rund 2 Milliarden Euro wurde hier geklotzt und nicht gekleckert. Man kann hier im Grand Hyatt Tokyo übernachten, wohnen, arbeiten, fein und teuer shoppen, essen, Filme gucken, Kunst betrachten, durch einen japanischen Garten schlendern und von oben, im Mori Tower, über die Stadt gucken. Wenn man ein Ticket für die Aussichtsplattform erwirbt, erhält man kostenlosen Zutritt ins Museum. In den Gängen ist das Design teilweise so konzipiert, dass man sich überlegt, ob man wirklich noch am Boden ist oder nicht an einer Wand entlangläuft. Die Fische im Teich des Mori Garden sind Nachkommen von Fischen, die in den 1990er Jahren auf dem Columbia Space Shuttle geboren wurden. Zur Kirschblütenzeit kurz vor dem Eindunkeln den Park besuchen. Dann erlebt man die schönen Bäume vor der Kulisse des leuchtenden Mori-Towers.

Im "The Oak Door Bar" und vielen anderen Bars und Restaurants herrscht eine internationale Stimmung und es sind hier sichtlich mehr Westler an einem Ort anzutreffen als sonst wo. Suchst Du was ganz Spezielles, dann geh zum Afternoon-Tea in die "The Moon Lounge". Nebst einem grandiosen Interior bekommst Du zum Tee kleine Süssspeisen serviert und hast eine einmalige Sicht über das Häusermeer. Für den kleinen und grossen Hunger wirst Du in unzähligen Restaurants, mit Küchen aus aller Welt, fündig. Auch wenn man nicht einkehren will, lohnt sich ein Rundgang durch die weit oben gelegene Etage, um einen Blick in die Bars und Restaurants zu werfen. Feierst Du einen runden Geburtstag, hast im Lotto gewonnen, heiratest bald, machst Dich selbständig oder möchtest einfach auf das Leben anstossen, dann reservier einen Tisch im Grand Hyatt mit Sicht ins Einkaufszentrum hinein.

Einen Kontrast zu modernem Luxus und Geschäften, die man fast in jeder Metropole findet, ist im Bezirk Azabujuban zu finden. In den kleinen Läden gibt es lackierte Holzschuhe, Yukata, gebackene Reiscracker, im Winter dampfende Süsskartoffeln und Waffeln.

Mori-Tower in Roppongi Hills

Gang im Mori-Tower

Lokal im Mori-Tower

Tokyo Midtown

Der neuere Midtown Tower ist um einige Meter näher am Himmel als der Mori Tower. Auch wenn hier dieselbe Bandbreite an Angeboten wie im Mori Tower besteht und mit dem Ritz-Carlton ebenfalls eine Luxusherberge untergebracht ist, sind die Mieten tiefer. Dies hat zur Folge, dass hier auch kleine und unabhängige Geschäfte zu finden sind. Tokyo Midtown hat mit seinem Konzept weniger Probleme Mieter zu finden, als Roppongi Hills. Auch wenn das Erreichen des Mori-Towers über Aussentreppen und Brücken seine Reize hat und an futuristische Raumkonzepte in überbevölkerten Städten erinnert, spricht mich der ebenerdige Vorplatz und Eingangsbereich von Tokyo Midtown mehr an. Aber Geschmack liegt ja im Auge des Betrachters. Die Gänge des Komplexes sind in Holz gehalten und eine moderne Variante alter japanischer Bauart. Für Design- und Architekturliebhaber lohnt sich daher schon ein Besuch (und von Roppongi Hills). Hinter dem Komplex hat es nebst dem Hinokicho Park eine Rasenfläche, mit Sitzgelegenheiten zum Chillen, auf welcher Veranstaltungen und Kinoabende abgehalten werden. Wenn man aus dem Tower kommt sieht man zu seiner Linken eine mit Bäumen gesäumte Strasse. Diese sieht in der Blütezeit sehr schön aus.

Tokyo Midtown

Noch Zeit und Kraft vorhanden? Dann besuch "The national art center Tokyo". Auch wenn der Bau nicht die grösste Leistung des bekannten japanischen Architekten Kisho Kurokawa ist, schmälert es nicht die Qualität der Ausstellungen. Zudem ist der Eintritt kostenlos.

Shibuya & Harajuku

Shibuya, eines der 23 Stadtbezirke, hat viele Gesichter. Es kann kitschig, schrill, ruhig und meditativ, überfüllt, edel oder chillig sein. Welche Stimmung man auch gerade hat, hier gibt es die passende Ecke dazu. Shibuya ist eines der grossen Ausgehviertel, vor allem für die Stadtjugend. Harajuku mit seiner Kawai-Kultur und den Cosplayern ist da in aller Munde. An den kleinen Gässchen, abseits des Trubels, mit seinen vielen (preiswerten) Restaurants, schicken Bars und kreativen Shops finden auch Menschen mit 25 und mehr Jahren gefallen. Wer es doch noch auf der Tanzfläche wissen will, wird garantiert nicht ohne das Tanzbein geschwungen zu habe auf dem Hotelzimmer landen. Und möchte man sich für ein Schäferstündchen zurückziehen, findet man in Shibuya garantiert das passende Love Hotel. Nicht zu vergessen ist der beindruckende Meiji-Schrein oder Omotesandō, die Champs-Élysées von Tokyo. Wer "cool" sein möchte, rüstest sich in einem Skater-Laden aus oder relaxt in einem hippen Kaffee rund um die Cat-Street. Shibuya ist einer der Namen, welcher wie Tokyo gerne in der Mode verwendet wird. Denn ehrlich gesagt klingt er auch gut und lässt Bilder der Grossstadt im Kopf entstehen. Habe ich zu viel Abwechslung versprochen? Noch unsicher? Falls ja, dann kommen nun die Beweise.

Shibuya Crossing

Das kommerzielle Herz des Bezirks schlägt um den Bahnhof Shibuya. Und das erkennt man schon aus dem Bahnhofsgebäude heraus, wenn man Richtung Kreuzung schaut. Es sieht aus, wie auf einem Ameisenhügel. Die Shibuya Crossing ist die berühmteste "Alle-Gehen-Kreuzung" der Welt. Spannend zum einfach Zugucken oder Filmen und Fotografieren. Auch wenn es aus "sicherer" Entfernung ruhiger zu und her geht, ist es fast ein Muss mit der Masse die Kreuzung zu überqueren. Wenn die Ampel grün wird, dann kommen die Leute aus allen Richtungen. Zu Spitzenzeiten bis zu 15'000 Personen gleichzeitig. Das Beste, was man hier tun kann, damit man weder mit Anderen zusammenprallt noch dauernd am Ausweichen ist, ist den Blick immer geradeaus zu halten. So machen es alle und jeder kommt auf der anderen Seite heil an. Hat man es hinter sich, kann man stolz sagen, dass man nicht nur die meist fotografierte Kreuzung der Welt selbst im Kasten hat, sondern selbst dabei war. Shibuya Crossing sollte man zudem einmal ab dem Eindunkeln aufsuchen. Dann sind alle Megabildschirme am Leuchten und verströmen Futurismus.

Shibuya Crossing

Der Kampf der Musiklabels

Hin und wieder kann man in der Nähe des Bahnhofes Strassenkonzerte erleben. Damit machen japanische Labels, welche ihre Firmensitze in der Gegend haben, Werbung für ihre Schützlinge. Geht man der Inokashira Dori entlang, erreicht man Tower Records Shibuya, den Platzhirsch unter den CD-Kaufhäusern. Das Gebäude ist nicht zu übersehen. Denn vor dem Eingang hat es ein grosses gelbes Schild worauf geschrieben steht: "No music, no life". Auf 9 Stockwerken kann man wirklich (fast) alles von (fast) jedem mehr schlecht als rechten Musiker bis zum Superstar, von Japan und sonst wo, bekommen. Hier wird wahrlich Musik gelebt. Ein Traum für jeden Musik-Freak. Der unterdessen, vom amerikanischen Mutterkonzern abgespaltene Laden, zählt zu einem der grössten CD-Läden der Welt. Aber auch Filmfans und Leseratten werden in diesem Turm fündig. Gerade am 04. Mai, may the fourth (Welt-Star-Wars-Tag - Wortspiel) kann man mit Stormtroopers sich ablichten lassen und bekommt beim Kauf einer (neu erschienenen) Star-Wars DVD allerlei Merchandising-Artikel dazu. Trotz allem trennen sich die Gemüter bei der Frage, welcher Laden das wahre CD-Mekka ist. Lange Zeit gab es von HMV ebenfalls ein Flaggschiff in Shibuya. Es war vom Konzept her unaufdringlicher und daher mehr im Stil eines westlichen Musikgeschäfts. Bei meinem ersten Toykoaufenthalt, ein Jahr vor dessen Schliessung, besuchte ich das Geschäft ebenfalls und war begeistert. Da Michael Jackson gerade gestorben ist, waren alle Bildschirme und wichtigen Flächen ihm und seiner Musik gewidmet worden. Z.B. Andreas Neuenkirchen, Autor von "Happy Tokio" war ein grosser Fan von HMV. Als Ehrerbietung ging er noch am letzten Tag vor der Schliessung vorbei und kaufte etwas. Unterdessen gibt es wieder eine HMV Filiale in der Nähe, aber nur noch für Vinyl-Platten. Die Schliessung des HMV verwundert ein wenig, wenn man die Zahlen des Musikabsatzmarktes kennt. In Japan werden 80% der Musiktitel auf CDs gekauft - Tendenz steigend.

Hachikō
Nach der Liebe zur Musik geht es nun um die Liebe zwischen Mensch und Tier. In diesem Falle handelt es sich um die einzigartige Beziehung zwischen einem Hund und seinem Herrchen. Hachikō kam ursprünglich aus Akita. Ein Jahr nach seiner Geburt nahm Universitätsprofessor Hidesaburō Ueno ihn nach Tokyo. Ab da kam der Hund jeden Abend zum Bahnhof Shibuya, um sein Herrchen abzuholen. Hachikō wusste genau wann er von Seiner Arbeit an der Uni zurückkam und war daher immer zur selben Zeit zur Stelle. Nur ein Jahr später verstarb der Professor an einer Hirnblutung. Obwohl die Witwe wegzog und er bei Verwandten untergebracht wurde, riss der Hund immer wieder aus, um am Bahnhof zu warten. Wegen den Gefahren für ihn, übernahm der ehemalige Gärtner von Hidesaburō Ueno die Pflege, da er gleich um die Ecke des Bahnhofes wohnte. Schon zu Lebzeiten wurde der Akita-Hund Hachikō zum Inbegriff für Treue. Das ist wahre Liebe über Grenzen hinweg. Zu seinen Ehren steht auf dem Vorplatz des Bahnhofs eine Bronzestatue. Seinen präparierten Körper kann man im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Ueno begutachten.
Meiji-Schrein & Yoyogi Park
Würde man nach dem Tower Records Shibuya der Strasse weiter geradeaus folgen, käme man direkt zum Park. Bequemer ist es mit dem ÖV bis zur Station Harajuku. Hier könnten kaum zwei gegensätzlichere Welten aufeinanderprallen. Im Rücken des Bahnhofes herrscht Ruhe und eine meditative Stimmung, umgeben von Grün, während vor dem Bahnhof gleich der wildeste und schrägste Teil von Harajuku beginnt.
Samstags verwandelt sich der Eingang hier im Südosten der Parkanlage zum Treff allerlei Anhänger von Subkulturen. Rock 'n' Roll tanzende Jungs mit Haartolle sind da anzutreffen, wie auch Mädels in Peticoat. Durch die Nähe zu Harajuku sind durchaus auch Cosplayer und sogenannte Lolitas anzutreffen. Der Meiji-Schrein selbst erreicht man nach einem 10-minütigen Spaziergang (Fotostopps nicht eingerechnet) über einen breiten Kiesweg. Dabei durchquert man zwei Tori (riesige Tore). Dabei geht man von der Welt der Menschen in die Welt der Götter. Eines der Tori ist aus tausendjährigem Zypressenholz. Es gibt wahrscheinlich kein anderes Konstrukt dieser Art in der Stadt, das dem Schrein hier das Wasser reichen könnte. Der elegante Bau wurde 1958 nach dessen Zerbomben 1:1 wiederaufgebaut und hat nichts von seiner Ausstrahlung eingebüsst. Der Meiji-Schrein, hinter 100'000 Bäumen und Büschen, hat noch jeden Besucher ins Staunen versetzt.

Tori vor dem Meiji-Schrein

Meiji-Schrein

Ema mit Bitten darauf

Harajuku

Es ist das Epizentrum der Popkultur der Jugendlichen. Hier entstand die Kawaii-Kultur und ist Anziehungspunkt für Cosplayer und solche die sich passend einkleiden wollen. Kawaii (niedlich, süss, kindlich) war ursprünglich der Name dafür, dass junge Mädchen sich mit Kawaii-Figuren (Hello Kitty und co.) abgaben oder sich gegenseitig niedliche Texte schrieben, um zu hoffen, dass sie selbst als süss angesehen werden. Ab den 80er Jahren nahm die Bewegung aber zu und ist heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Wie in der Einleitung des 1. Blogeintrages schon von mir erwähnt wurde, gibt es in Japan (in den meisten Situationen) keinen Zwang kindliche Ausdrucksweisen abzulegen. Auch wenn im Büroalltag oder der Politik jeder sich genau so professionell wie bei uns verhält, sehen visuelle Aspekte anders aus. Da kann eine behördliche Warnung oder sonst eine Sache, die bei uns nie mit Kawaii in Verbindung gebracht werden würde, voller solcher "süssen" Bilder und Farben sein.

Die pulsivste Ader von Harajuku ist die Takeshita-dōri. Sie kann man vom Bahnhof her unmöglich übersehen. Denn mit all ihren Pastellfarben und der Musik zwingt sie einem fast da hin zu gehen, um die Neugierde zu stillen. Auch wenn heute noch die Zielgruppe junge Mädchen und Teenies sind, kommt kein Tourist oder jemand, der sich gerne von allen Seiten mit Eindrücken überfluten lässt, an dieser Strasse vorbei. Nebst viel Kitsch bekommt man Kleidung, die aus meiner Sicht nicht mal gratis jemand nehmen würde und nicht für japanische Qualität steht. In den etlichen Süssigkeitenläden kommt jede Naschkatze auf ihre Kosten. Ich kaufte in einem futuristischen Raum aus durchsichtigem Plexiglas und Clubmusik "Regenbogen-Zuckerwatte" und verspeiste dadurch viel Kawaii. In Online-Rezensionen habe ich schon gelesen, dass Nebenstrassen mit ein wenig dezenterem Auftreten mehr Charme verströmen, kleine hübsche Kaffees haben und weniger überlaufen sind.

Takeshita-dōri

Zuckerwatte auf der Takeshita-dōri

Omotesando

Am Ende der Takeshita-dōri gehst Du nach rechts bis zur Kreuzung. Zu Deiner Linken beginnt die mit Zelkoven gesäumte Omotesando. Hier geben sich internationale und japanische Luxusmarken die Klinke in die Hand. Auf den ersten Blick wirkt alles fast ein wenig zu brav für eine Shoppingstrasse, die selbst von sich sagt, dass sie es locker mit der Ginza-dōri aufnehmen kann. Läuft man sie ab bis zum unterirdischen Bahnhof Omotesando, stellt man auch rasch fest, dass sie viel kürzer als die Konkurrentin ist. Dunkelt es ein, dann wird schnell klar, warum überall gesagt wird, dass dies ein edles und schönes Plätzchen ist. Alles wird in dezentem Licht angestrahlt, die Zelkoven wirken anmutig, kaum farbige Leuchtreklamen sind zu finden und um das Omotesando Hills fliesst ein künstlicher Bach, der von Bodenlichter begleitet wird. Man fühlt sich wie eingelullt und bekommt automatisch Lust in dieser Shoppingwelt, weit weg von der Realität mit all ihren Vorschriften und Problemen, dem Rausch nachzugeben und einkaufen zu gehen.

Auch wenn die Preise hoch sind und die Kleider eher auf den Laufsteg passen, ist das Omotesando Hill von innen eine architektonische Schönheit. Wie das Guggenheimmuseum in New York ist es innen wie eine Spirale. Man kann von fast unten bis ganz oben ohne eine (Roll-) Treppe laufen. Am oberen Ende reihen sich kleine feine Speiselokale aneinander. Teilweise sind sie so beliebt, dass vor dem Lokal sogar Abtrennvorrichtungen stehen für lange Warteschlangen. Unter all den modernen Klötzen wird Dir ein Bau ins Auge springen, das Gebäude vom Ralph Laurent Store. Es ist weiss/crèmefarben, im Beaux-Arts-Stil errichtet und scheint von der 5th Avenue in NYC hier hin gebeamt worden zu sein. Ein schöner Kontrast zu all den modernen und schlichten Einkaufstempeln.

Da nun einmal der Platz auf der Omotesando ausgeschöpft ist (ausser man baut in die Höhe), aber weitere Designermarken dem Ruf dieser Strasse folgen möchten, siedeln sich die neuen Stores auf dem verlängerten Arm der Shoppingmeile an. Wenn man nach der Kreuzung, wo sich der Bahnhof Omotesando befindet, weiter geradeaus läuft, kommt man in eine schlankere Strasse. Während am Anfang davon, noch trostlose Bürokomplexe dominieren, werden sie auf dem Rest der Strasse immer mehr durch neue moderne Gebäude verdrängt. Architektur- und Designfans kommen hier auf ihre Kosten. Marken wie Stella McCartney, Prada, La Perla oder Moncler bauten hier kleine(re) Shops, welche mehr einem Kunstwerk gleichen und fast der Mode darin die Show stehlen.

Omotesando Hill

Omotesando

Cat Street

Auch wenn die Häuserschluchten der Omotesando und Co. kleinere Ausmasse haben, als die Konkurrentin in Ginza, sind sie doch wuchtig und mit der Zeit möglicherweise auch erdrückend. Ein Gegenpol dazu findet man gleich um die Ecke. Verlässt man die Hauptstrasse und lässt sich durch die Nachbargassen treiben, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Weniger Leute und entspannte Nachbarschaftsatmosphäre, Kaffees, Friseursalons, Kosmetikgeschäfte, Süssigkeitenläden, Kunstgalerien, lokale und der Masse (noch) unbekannte Schneider und Designermarken, Outdoor- und Streetwear/Skater-ausrüster und Speiselokale mit Quartiercharme prägen hier das Bild.

Die Bekannteste unter den Nebenstrassen ist die Cat Street. Sie fängt vor dem Gyre Shoppingkomplex auf der Omotesando an, worin z.B. Chanel oder das exklusive Restaurant Omotesando Ukai-Tei eingemietet sind und schlängelt sich durch das Viertel bis fast zum CD-Laden von Tower Records. Bei der ersten Kreuzung steht auf der rechten Seite eine Imbissbude der Kette Luke's Lobster. Bis 20:00 Uhr bekommt man da Brötchen mit Hummer und Salat. Bei Glutenunverträglichkeit einfach sagen, dass man es ohne Brot will, dann erhält man einfach den Hummer in einem Becher. Sehr lecker. Wer jetzt erst recht Hunger bekommen hat, erhält nebenan im Restaurant "Catch the Cajun Seafood" eine spassige und sehr feine Esserfahrung. Man wählt zwischen 2 oder 3 Menüs worin ein Hummer oder eine zusätzliche Krabbenorte die Hauptakteure spielen, kreuzt eine Sauce an und falls das noch nicht genug scheint, fügt man der Liste noch weitere Krabben oder Hummer hinzu. Der Gin-Tonic wird in einem Beutel serviert, so wie man ihn aus dem Spital für Infusionen kennt, und das Menü auf dem Tisch verteilt. Jetzt heisst es Schürze und Handschuhe anziehen, Hummerzange in die Hand nehmen und ins Getümmel stürzen. Der "Schutzanzug" ist weit mehr als ein Gag, denn nach kürzester Zeit ist man voll mit Sauce und Krabben. Wer sich nicht zu schade dafür ist wird seinen Spass haben. Die Schlacht ums Essen wird schmutzig und ohne Gnade sein, wer schneller die Schalen knackt, erbeutet mehr. Dafür bekommt man hier ausgezeichneten Hummer und Seafood für 2 Personen ab ca. CHF 70.-. Solch ein Abend in einem Edelrestaurant kann weit mehr kosten.

Wenn es rund um die Cat Street eindunkelt und man in die letzten offenen Bilderausstellungen guckt, oder Palmen und Surfboards vor dem Badeshop sieht, meint man kurz, sich in Kalifornien zu befinden. Hier findet man einen coolen und zugleich gemütlichen Vibe.

Restaurant Catch the Cajun Seafood

Im Restaurant Catch the Cajun Seafood

Cat Street

Tee

Eine Teezeremonie ist das Tüpfelchen auf dem i in Japan. Je nachdem können die Stunden dauern und einiges kosten. Ist man weder bereit viel Geld auszugeben noch einen halben Tag dafür zu opfern, tut es auch ein Besuch in einem der vielen Teehäuser. Wenn es jetzt so klang, als sei das einfach eine halbwegs akzeptable Alternative zu einer Teezeremonie, dann kam das falsch rüber. Es gibt viele tolle und ein paar exzellente Adressen. Die meisten, welche heute der Spitzenklasse angehören, sind durch eine neue Welle des Wiederauflebens der Teetradition, in modern japanischem Ambiente, entstanden. Somit gehören diese Teelokale einer neu geschaffenen Richtung der Teeszene an. Eines, das in Reiseführern und auf Blogs gerne vorgestellt wird, ist das Sakurai. Der Teemeister dieses Lokals soll ein Künstler sein, der die Kunst des Teemachens 14 Jahre gelernt hat. Dies wollte ich selbst erleben.

Nicht weit von der Omotesando Station entfernt liegt das Spiral. Es ist ein Shoppingzentrum der etwas anderen Art. Die Innenausstattung im Erdgeschoss gleicht einer Kunstausstellung und man weiss gar nicht, ob ein Gegenstand zum Verkauf oder nur Dekoration ist. Auf breiten Treppen geht es jeweils um halbe Etagen nach oben in die diversen Läden mit Schreibwaren, Teegeschirr und Zubehör, Badeutensilien, Schmuck und Kleider. Hier ist wenig bis nichts Mainstream. Es lohnt sich einen Weg vom/zum Teehaus ohne Lift zu machen. In den oberen Stockwerken wo Restaurants und Bars untergebracht sind, findet man das Sakurai. Es ist ein kleines (noch kleiner als ich gedacht habe) puristisch gestyltes Lokal mit viel Stein, wo wirklich nur der Tee im Mittelpunkt steht, und nichts sonst zu fest ablenken könnte. Da es nur Platz für eine Handvoll Personen an der Teebar bietet, ist ein Besuch ohne eine Reservierung am Vortag (noch besser 2 Tage vorher) leider nicht möglich. Somit mussten wir mit lediglich einer Visitenkarte in den Händen wieder von dannen gehen. Zum Glück fanden wir bei einem Rundgang auf demselben Stock ein weiteres Lokal, welches unteranderem auch einen Schwerpunkt auf Tee setzte. Einer den es auf der Karte hatte, kam sogar von nebenan, dem Sakurai. Somit kamen wir wenigstens noch in den Genuss dessen Tees.

Wichtig: Magst oder verträgst Du keinen Grüntee oder Matcha, dann solltest Du Dich sowieso vorinformieren. Der Schwerpunkt in klassischen Teehäusern liegt bei diesen beiden. Somit könnte es darauf hinauslaufen, dass Deine Teetasse leer bleibt. Viele Lokale bieten dazu schön hergerichtete Süssigkeiten an - "Afternoon Tea". Personen mit Glutenunverträglichkeiten müssen hier aufpassen, nicht alles ist nur aus Kartoffeln oder Bohnenpaste hergestellt.

Sakurai Tee im Spiral

Sicht Richtung Eingang des Teehauses Sakurai

Wenn Du am Anfang noch ein Zweifler warst, jetzt bist Du es garantiert nicht mehr. Also los: Your taxi to Shibuya is waiting. Achtung, wenn man zu lange bleibt, besteht die Gefahr, dass man in den Bann des Bezirks gerät, und nicht mehr raus will/findet.

Shinjuku

Der Sonderbezirk Shinjuku, oberhalb von Shibuya, ist das zweitgrösste Wolkenkratzerviertel des Landes und hat am Bahnhof Shinjuku eines der grössten Passagieraufkommen der Welt. Sein unterirdisches Netz aus Passagen mit Restaurants, Bars und Shops ist so gross wie eine kleine Stadt und eignet sich gut bei Regen oder während Überschwemmungen in der Monsunzeit. Immer wieder muss man bei Stationen 200-600 Meter zur nächten Bahn zurücklegen. Hier können es aber gut 2 km und mehr sein. Wer ein 70er Jahre Bauklotz-Häusermeer voll mit futuristisch anmutenden Leuchtreklamen sehen will, eine geballte Ladung an Unterhaltung sucht, gerne durch bis zu 12 Einkaufszentren stöbert, ein grosses internationales Hotels im Büroviertel bevorzugt und (bei Regen ist es am authentischsten) in kleinen engen Gässchen, die gut als Filmvorlage dienen könnten, gern gutbürgerlich schlemmt, ist hier genau richtig.

Shinjuku

Kabukichō

Wenn man in den Neonbeleuchteten Gassen dieses weltbekannten Rotlichtviertel steht, würde man nicht denken, dass dies bis zum Ende des 2. Weltkrieges ein normales Wohnviertel war. Hier zu übernachten, wäre heute kaum mehr vorstellbar, denn hier wird die Nacht zum Tag. Auch wenn Kabukichō als Rotlichtviertel betitelt wird, und das vor Ort auch nicht übersehen werden kann, darf es nicht mit Pendants im Westen verglichen werden. Bei uns wäre unmissverständlich klar, was eine Person in dieser Ecke der Stadt sucht. Hier in Kabukichō gibt es Kinos, Bars, Restaurants, Spielhallen, Hostessenbars, Love Hotels, Izakaya Karaokebars und Clubs. Hier ist ein 50-jähriger Geschäftsmann genauso anzutreffen wie Studenten, Mädchencliquen oder Paare. Unbedingt bei Nacht erleben, wenn die Reklamen um die Wette leuchten.

Kabukichō

Samurai Museum

Es ist kaum vorstellbar, dass in der surrealen Welt von Kabukichō ein Museum steht, welches die Geschichte der Samurai und Japans den Besucher näherbringt. Schon das alte Gebäude passt irgendwie nicht so recht hierhin. Ich sehe es eher in Ueno oder in der Nähe des Kaiserpalastes. Im Innern erwartet einem ein Konstrukt aus Holz nach altem Vorbild. Man schliesst sich zu einer Gruppe zusammen und wird von einem englisch sprachigen Museumsführer durch die Räume vorbei an Gemälden mit dargestellten Schlachten, alten Waffen und Rüstungen (Originale und auch Replikas) geführt. Zu den wichtigsten Teilen der Ausstellung erzählte unser Gruppenleiter interessantes aus der Geschichtsecke wie auch lustige und erschütternde Ereignise jener Zeit. Die meisten Räume sind mit Tatami ausgelegt. Darum müssen die Schuhe deponiert werden. Irgendwann während des Rundgangs findet man sich mit anderen Gruppen in einem zentralen Raum ein und guckt sich eine Schwertkunst-Show an. Wer Lust hat und sich nicht geniert, darf mit dem Meister, vor dem Publikum, eine Angriffsart (man darf wählen) austesten. Anschliessend ist Fototime angesagt. Man steht da (nicht ganz originalgetreu, da passender für das Bild) und stellt das Abwehren eines Schwerthiebes nach. Dann geht es in der eigenen Gruppe wieder weiter. In der Abteilung der Samurairüstungen dürfen die Geschwinderen einen Helm anziehen und (nochmals) mit dem Schwert posieren. Wenn Du Dich damit schon ein wenig auskennst, oder Dir ein paar Posen von vorhin eingeprägt hast, dann ist dies jetzt Dein Moment. Erwecke den furchtlosen Samurai in Dir. Auch wenn man es auf dem Foto nicht hört - Brüllen gehört dazu!

Zum Schluss hat man wie üblich die Möglichkeit im Museumsshop ein wenig zu stöbern. Von kleinen Schlüsselanhänger mit dem Zeichen für Samurai, über Samurai-Action-Figuren und Stäbchen bis zu Katanas hat es alles was ein Samuraifan interessieren könnte. Von den Schwertern hat es 3 Kategorien - unscharfe einfache Katanas, unscharfe Replikas von einmal existierenden bekannten Schwertern und scharfe originalgetreu hergestellte Exemplare nach alter Waffenschmiedekunst (auf Bestellung). Sie senden einem das Katana auch nach Hause. Aber Achtung, nicht dass es beim Zoll des Heimatlandes abgefangen wird. Es kann einen Waffenschein voraussetzen und muss gemäss Waffenimportgesetzen einfuhrberechtig sein.

Samurairüstung und ein Bogen

Am Posen mit Katana und Samurai-Helm

Am Posen mit einem Schwertmeister

Cat Cafe Calico

Nach so vielen Eindrücken ist es Zeit für eine Pause. Es gibt nichts besseres zum Herunterfahren als ein Tier wie z.B. ein Hund oder eine Katze zu streicheln. Aber einen Tee zu trinken während man umgeben von Tieren ist, kann doch nur zu Hause oder Im Zoo gemacht werden?! Mit dieser Meinung bist Du auf dem Holzweg. In Tokyo muss etwas, das es nicht gibt, noch erfunden werden. Über die ganze Stadt verteilt findet man skurrile Tier-Cafés. Halte eine Eule auf dem Arm und sei ein Hogwartsschüler auf Zeit, streichle japanische Hunde und geh mit ihnen Gassi, guck (schlafenden) Igeln zu, füttere um 19:00 Uhr Pinguine, oder kauf im Schlangen-Café-Shop gleich ein Exemplar (der Erwerb ist eher nicht für ausländische Touristen gedacht). Wir waren im Cat Cafe Calico, wo das Streicheln der (meisten) Tiere möglich ist und weil ich und mein Reisepartner grosse Katzenfreunde sind und auch schon eigene hatten. Man zahlt Yen 1000.- Eintritt, verstaut Schuhe, Tasche und Jacke in einem Schliessfach und kann dann auf zwei Etagen den kleinen Rackern begegnen, sie streicheln und fotografieren. Manche Katzen haben ein Halsband, diese darf man entweder nicht streicheln oder füttern. Alle anderen Tiere darf man zwar nicht auf den Arm nehmen aber, zumindest in der Theorie, streicheln. Warum ich das sage kommt von meinen eigenen Erfahrungen mit den Katzen vor Ort. Dadurch, dass man Futter kaufen kann, bekommen die Tiere kaum mehr zusätzlich etwas vom Personal. Damit die Katzen also zu etwas Essbarem gelangen, lassen sie sich als Taktik fast nur streicheln, wenn man ihnen Futter entgegenstreckt. Als ich nur schon den Deckel der Futterdose öffnete, rannten alle wachen Katzen zu mir und umringten mich. Sie standen hinter mir auf der Sofalehne, setzten sich auf meine Beine oder miauten mich mit süssen Kulleraugen vom Boden an. Nicht einmal in einem Tierheim hat man so viele verschiedene Rassen an einem Ort wie hier. Es ist ein tierisches Erlebnis, das Du dir nicht entgehen lassen darfst. Bitte einfach nach dem Trinken immer wieder den Deckel darauflegen. Ansonsten kann es sein, dass plötzlich eine Katze am Trinken ist...

Cat Cafe Calico

Schöne Katze im Cat Cafe Calico

Essen | Omoide Alley Hanazono, Golden Town

Ob Pizza, Döner, Grillfleisch, Spaghetti oder Curry, in Shinjuku und vor allem in Kabukichō gibt es sie alle. Soll es japanisch sein, dann fährst Du mit Sushi bei Kizuna Sushi nicht falsch. Das Lokal befindet sich neben dem Turm des Toho Cinema, welches schon von weitem zu sehen ist. Auch wenn das Fischlokal nicht eines dieser Orte ist, wo nur eine Theke und 2 Tische zu finden sind, ist das Sushi trotzdem sehr lecker. Wenn man nicht fest Hunger hat, gibt es ebenfalls kleine Teller, wo schon 3 verschiedene Sushi darauf sind, kleine Muschelsuppen und Schälchen mit ausgezeichneten süss-scharfen Bambussprossen oder Edamame. Wir waren da beim Besuch von Kabukichō by night und nochmals nach dem Erkunden von Shinjuku und genossen beide Male dieselbe gute Qualität. Der Preis ist moderat und das Personal kann genug Englisch, um korrekt Bestellungen aufzunehmen.

Sushi im Restaurant Kizuna Sushi

Sashimi in diversen Saucen eingelegt im Restaurant Kizuna Sushi

Vielleicht hast Du schon solche Bilder auf Instagram, Pinterest oder in der Google Bildersuche gesehen oder guckst Anime, wo Charaktere gerne bei Regen in kleinen Gässchen in winzigen Speiselokalen am Futtern gezeigt werden. Solche stimmungsvollen und sehr engen Gassen, wo kaum mehr als 2 Personen nebeneinander laufen können, gibt es noch in Tokyo. Sie heissen Omoide Alley Hanzono und Golden Tower. Hauptsächlich machen die Lokale am Abend auf. Dann erlebt man auch die beste Stimmung. Fotoenthusiasten verschieben bei Regen das Programm um diese Gässchen und die Spiegelungen in den Pfützen abzuknipsen.

Die Omoide Alley befindet sich am Bahngleis entlang und wird auch Piss Alley genannt, da früher diese Gasse, zwischen den Häuserreihen, nur dazu genutzt wurde, um die Nachtschüssel auszukippen. Selbstverständlich ist davon nichts mehr zu erkennen noch zu riechen. Das einzige was heute in der Luft ist, sind die vielen leckeren und Hunger anregenden Düfte der diversen Izakaya und Suppenküchen. Wir waren da zum Mittagessen. Auch wenn einige noch zu hatten, war die Auswahl gross genug. Nach einem Rundgang durch die 3 Gassen und 2 Quersträsschen, hatten wir uns für eines entschieden. Wir hätten gerne Ramen gegessen (Ja, da hat es Sojasauce und daher meistens Gluten. Ich hätte einmal auf die Zähne gebissen und nicht an die möglichen Folgen gedacht), doch (Glück im Unglück) war nur eines zu finden, das voll mit alten einheimischen Männern war. Wir wollten weder ein Lokal unterstützen, das wahrscheinlich noch wie früher Frauen nicht gerne sieht, noch uns Ausländer anstarren lassen (Falls ich einen falschen Eindruck hatte, soll meine Aussage als nichtig angesehen werden). Das Grilllokal, das wir ansteuerten war so klein, dass nur 5 Personen effektiv im Innern an der Tresen sitzen konnten. Wir beide mussten unter einem kleinen Vordach Platz nehmen. Kaum hatten wir die Stühle in Beschlag genommen, fing es an zu Regnen. Hinter uns lief das Wasser die hängende durchsichtige Plache hinunter und vor uns wurden Fleischspiesse, Paprika und Knoblauch auf die, nach dem Aussehen nach, selbstgebastelten Grille geworfen. Die Gastwirtin schien Koreanerin zu sein. Gerade Grillspezialitäten werden auch gerne in Korea gegessen. So wie die Chefin nicht aus dem Land der aufgehenden Sonne stammte, waren auch die Gäste von überall. Nebst 2 älteren immer strahlenden japanischen Männern, mit Veteranenhüten, sass ein Amerikaner und später noch 2 Spanier auf den Hockern. Das Essen war vorzüglich und die Stimmung so einzigartig wie ich sie mir erhofft habe. Wiederholungsgefahr.

Omoide Alley

Golden Town ist eine weitere Ecke in Shinjuku mit diesem Charme. Da dort mehr Baren angesiedelt sind, ist es besser nur am Abend hinzugehen. Ich war selbst aus Zeitmangel nicht da. Wenn ich zwischen Bildern über Golden Town und der selbst besuchten Omoide Alley wählen müsste, dann gäbe ich meine Stimme letzterer. Wer nur in eine Bar möchte ist in der Omoide Alley eher am falschen Ort.

Tokyo Metropolitan Government Building

Vom Tokyo Tower und dem Tokyo Skytree hinunter hat man eine schöne Aussicht. Da fragt man sich berechtigterweise ob eine weitere Aussichtsplattform nötig ist. Dazu kann ich Ja und Nein sagen. Nein sage ich, da man auf den ersten Blick von überall her einfach Häuser und Wolkenkratzer sieht. Ja sage ich, weil man im Detail natürlich von den jeweiligen Türmen anderes erkennen kann. Nun das ist vielleicht noch nicht Grund genug für einen weiteren Besuch. Das Tokyo Metropolitan Government Building, das ab dem 33. Stockwerk aus zwei Türmen besteht, und 1 Milliarde Euro kostete, bietet eine Aussichtsplattform zum Nulltarif an. Zwar sind die Räumlichkeiten weder neu noch wirklich schön, aber die Aussicht ist ja das Ziel. Nebst einem Souvenirshop hat es ein Restaurant, welches gut in ein Luxushotel passen würde. An einer der riesigen Fensterfronten steht eine stylische Bar. Und dies bekommt man in solch einem Ambiente auf keinem der bekannten Aussichtstürme. Während man an einem Pflaumenschnaps, Sake, Cocktail oder Tee nippt, und den Blick über die beleuchteten Türme bei Nacht schweifen lässt, läuft Swing und Lounge Musik im Hintergrund. Für solch ein Trio aus Aussicht, Drink und elegantem Ambiente, muss man in teuren Hotels einiges hinlegen.

Hinauf zum Eingang des Tokyo Metropolitan Government Building

Pflaumenschnapps "on the rocks" und eine grandiose Aussicht vom Tokyo Metropolitan Government Building hinunter

Vom Bahnhof Shinjuku kann man die Metro hierhin nehmen, ich rate aber jedem den Weg zu Fuss zu machen. Gleich neben Kabukichō fängt eine andere Welt an. Hecken, Baumalleen, Beete und schlichte moderne Bürohochhäuser ersetzen in Shinjuku-West Leuchtreklamen und überfüllte Gassen. Wir gingen den Weg bei Nacht. Das setzte definitiv dem Viertel noch das Krönchen auf. Wenn man von Kabukichō herkommt, ist ein schöner Weg am Ome Highway entlang bis zur Kreuzung und dann abbiegen Richtung Mode Gakuen Cocoon, rechts abbiegen und von da alles gerade aus. Wenn Du eine, wegen der Lichtsignalkonstruktion, interessante Kreuzung sehen möchtest, dann biege z.B. bei der Technischen Universität Kogakuin rechts ab. Es führen natürlich viele Wege nach Rom oder in diesem Fall zum Metropolitan Government Building.

Auf dem Ome Highway mit Sicht zum Gakuen Cocoon Tower

Mode Gakuen Cocoon Tower

Der über 200 Meter hohe Turm, welcher einem Kokon nachempfunden wurde, ist der zweithöchste Wolkenkratzer der Welt, welcher ausschliesslich Bildungseinrichtungen beherbergt. Sein Design hebt sich von allen anderen um ihn herum ab. Er ist das Aushängeschild nicht nur des Viertels, sondern von ganz Shinjuku. Es gibt vom Bahnhof Shinjuku aus einen unterirdischen Gang bis zum Foyer des Towers. Die grössten Berufsschulen bieten Ausbildungen in den Bereichen Mode, Make-Up & Design, IT & Robotik und Krankenpfleger an. Daneben kann man sich aber auch zum Friseur, Autodesigner oder Fotograf ausbilden lassen. Die Corporation hat sogar einen Ableger in Paris. Zu den meisten Etagen haben nur die rund 10'000 Schülerinnen und Schüler Zugang. Die Lounge im obersten öffentlich zugänglichen Bereich bietet einen Rundumblick.

Shinjuku mit Sicht zum Mode Gakuen Cocoon Tower

Park Hyatt Tokyo

Hast Du den Film Lost in Translation mit Bill Murray und Scarlett Johansson gesehen? Bill Murray alias Bob Harris hatte sein Zimmer im Park Hyatt. Die New York Bar des Hotels mit seinen grossen Fensterfronten kam in einigen Szenen vor. Liebhaber von Sky-Bars sollten diese ins Auge fassen. Ein Luxushotelambiente mit Glamour und Grossstadtfeeling, Live-Jazz, Cocktails und eine schöne Aussicht erwarten einem. Man muss dafür bereit sein, tiefer in die Tasche zu greifen. Nebst Cocktailpreisen um die CHF 20.- zahlt ein Nicht-Hotelgast zusätzlich eine Servicegebühr über CHF 20.-

Shinjuku Gyoen Park

Gerade zur Kirschblütenzeit erfreut sich der Park grosser Beliebtheit und zieht (Hobby-) Fotografen an. Durch die unterschiedlichen Baumsorten und Standorte dauert die Kirschblütenzeit länger als sonst. Hier trifft man sich gerne um Hanami-Partys (Kirschblütenfest) zu feiern. Nebst japanischer Bepflanzung hat es einen englischen und französischen Teil.

Akihabara

Akiba, wie es im Volksmund genannt wird, ist DAS Elektronikviertel. Auf dessen Hauptstrasse ist es grell, schrill, laut, überfüllt und es sieht aus wie in einer retromodernen Zukunft. Smartphone-, Computer- und Fotografie-Läden, Arcadehallen, Karaokebars, Pachinkozentren, Zubehör- und Secondhand-Shops für technischen Krims-Krams, Läden für Action- und Filmfiguren und Büchereien bieten alles wonach das Manga- und Technikherz sich sehnt. Du suchst Gamekonsolen und Spiele (meistens auf Japanisch), die es so auf dem Markt nicht mehr gibt? Hier wirst Du fündig. Du hättest gerne eine spezielle Ausgabe eines Manga? Wenn es die hier nicht gibt, dann ist sie nirgends zu kaufen. Du sammelst Figuren von Harry Potter, Game of Thrones, Pokémon oder X-Man? In Akihabara kannst Du sie alle bekommen.

Hauptstrasse von Akihabara

Automaten auf der Strasse mit Anhänger, kleinen Figuren etc.

Sega Arcade Tower
Da sich in Akihabara alles um das Thema Gaming und Heldenfiguren dreht, ist es logisch, dass auch Spielhallen anzutreffen sind. Eine Ikone des Viertels ist der Sega Arcade Tower. Alleine wenn man den Namen hört, kommen viele Erinnerungen auf. Erinnerst Du Dich noch an die Zeiten, als Sega-Spielkonsolen der Hit waren und Playstation noch nicht einmal in den Startlöchern war? Die Aussenwand des Gebäudes ist fotogen und hat ein Design, das in den 80er Jahren wie ein Objekt aus dem All scheinen musste. Auf 7 Stockwerken stehen Automaten mit hauptsächlich Schiess- und Kampfspielen sowie Glaskästen wo man mit Greifzangen Stofftiere und Animefiguren versuchen kann zu packen. Auch wenn die Steuerung der meisten Geräte moderner wirken, findet man auch die klassischen Automaten mit dem Steuerhebel und den 2 bis 4 Knöpfen. Spielspass ist garantiert.
Einer der beiden Sega Towers in Akihabara
Maid Cafe
Was bitteschön soll ein Dienstmädchen Kaffee sein? Ein Treffpunkt für Dienstmädchen, Putzfrauen, Köchinnen und sonstige Serviceangestellte? Nein, weit verfehlt. Ich fange mit der Erklärung am besten ganz am Anfang an. Das Cosplay-Restaurant erlangte Bekanntheit Anfang der 2000er. Am Anfang, unter anderem auch wegen Sprachbarrieren, gingen in solche Lokale nur Einheimische oder solche die der japanischen Sprache mächtig waren. Teilweise wurden sogar Ausländer nur in Begleitung eines Einheimischen hereingelassen. Im Ausland, wo Cosplay langsam bekannter wurde, waren die Maid Cafe plötzlich überall in den Medien und dann in (fast) aller Munde. Die Branche witterte Geld und stellte sich neuerdings auch auf Ausländer ein. Akihabara war der Geburtsort dieser schrägen Kaffees und ist heute noch der Ort, wo die meisten Lokale zu finden sind. Was erwartet den Kunden bei einem solchen Besuch? Das Personal besteht ausschliesslich aus jungen Frauen, die dem Thema des Kaffees entsprechend angezogen sind. Die Kleidung eines Dienstmädchens ist, nebst der von Schülerinnen, die bekannteste und sicherlich auch beliebteste Kutte dieses Trends. Alles läuft nach einem speziellen Ritual ab. Bei Bestellungen, Erhalt von Getränk und/oder Essen, vollführt man Bewegungen und spricht Dinge nach. Nebst einzelnen Drinks oder Gerichte, gibt es auch Pakete, worin Souvenirs, Tanzeinlagen, Fotos oder Gesang enthalten sind. Das variiert von Lokal zu Lokal. Z.B. ein Foto mit der gewünschten Maid konnte ich auch einzeln kaufen. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass der Gast, die Herrin/der Herr ist und die Kellnerin die Dienerin. Darum wird man auch mit Mistress/Master angesprochen. Auch wenn die Mehrheit der Gäste noch Männer sind, finden doch auch immer mehr Frauen den Weg in ein Maid Cafe. Also egal von welchem Geschlecht Du bist, diese Erfahrung solltest Du einmal gemacht haben.
Werbetafel für ein Maid Cafe von maidreamin
Als Dienstmädchen verkleidete junge Frauen am Flyer verteilen

Menü Werbeflyer und Foto zusammen mit einer Maid

Hier nehmen wir Abschied von Tokyo und fahren im nächsten Blogeintrag mit dem Shinkansen Richtung Hakone. Die Stadtviertel von Hakone liegen zerstreut auf dem Gebiet des Nationalparks Fuji-Hakone-Izu. Die Gegend ist hauptsächlich bekannt für die heissen Quellen, die sogenannten Onsen. Der Bergort hat aber noch weit mehr zu bieten wie den Ashi-See, den aktiven Vulkan Hakone, die Sicht zum Mount Fuji, nostalgische Zugfahrten, dschungelartige Wälder und Ryokans.
Ich freue mich, wenn Du dann auch wieder an Bord bist.
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Ich hoffe, der Eintrag bietet einige interessante Einblicke ins Geschehen von Japans Hauptstadt und hilft bei einer zukünftigen Reise dahin. Gerne kannst Du einen Kommentar hinterlassen. Würde mich auch über ein Feedback und weitere Tipps freuen.

Weitere Impressionen zu Ausflügen und Reisen findest Du unter Bilder.

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